Die Wahrheit über Laufpausen: Formverlust ist oft unbegründet
Läufer finden es manchmal schwer, wichtige Entscheidungen umzusetzen, selbst wenn sie wissen, dass diese richtig sind. Besonders in Bezug auf Laufpausen äußern viele Sportler Skepsis. Fachleute betonen immer wieder, wie wichtig solche Pausen sind, insbesondere nach anspruchsvollen Wettkämpfen oder intensiven Trainingseinheiten, da Muskeln, Sehnen und Bänder ausreichend Zeit zur Regeneration benötigen. Trotz diesem Wissens plagt ein schlechtes Gewissen oft Laufsportler während ihrer Ruhezeiten.
Es ist nicht so, dass ich nach meinem Halbmarathon vollkommen inaktiv war. Ich habe schwimmen gehen, einige kurze Fahrten auf dem Rennrad unternommen und zusätzlich ein leichtes Krafttraining für meinen Oberkörper gemacht. Allerdings war die gesamte sportliche Betätigung deutlich weniger als mein übliches Pensum pro Woche. Und meine Fitness-Apps machen mir unmissverständlich klar, dass meine Leistungen unter dem gewohnten Niveau liegen. „Eine akute Belastung unter dem optimalen Bereich fördert die Erholung, kann jedoch zu Formverlust führen“, heißt es unbarmherzig von meiner Laufuhr.
Der Begriff „Formverlust“ löst bei vielen Läufern Besorgnis aus. Niemand möchte seine erreichte Fitness aufs Spiel setzen, vor allem, wenn der Gedanke an die Fortschritte noch frisch ist: „Jetzt, wo ich diese Strecke bewältigt habe, möchte ich weiter durchstarten und nicht zurückfallen.“ Zu meinem persönlichen Dilemma kommt hinzu, dass ich mir beim Wocheneinkauf die ersten Lebkuchen des Jahres nicht verkneifen konnte. Die Verlockung war zu groß und im Angebot, obwohl wir erst Anfang November sind. Süßigkeiten in Verbindung mit weniger Bewegung sind auf lange Sicht jedoch keine kluge Entscheidung.
Experten sind sich einig, dass der tatsächliche Formverlust oft nicht so gravierend ist, wie von den Sportlern befürchtet. In den ersten zwei Wochen geschehen kaum messbare Veränderungen. Erst danach zeigen sich Rückgänge in Ausdauer, maximaler Sauerstoffaufnahme und später auch Muskelkraft. Dennoch hat man nach der Rückkehr zum Sport den Vorteil, dass der Körper sich an frühere Trainingsanstrengungen erinnert. Der sogenannte „Muscle-Memory-Effekt“ sorgt dafür, dass trainierte Personen schneller wieder Kraft und Muskelmasse aufbauen können als untrainierte.
Daher gibt es keinen Grund, beunruhigt zu sein angesichts von Formverlust. Sollte dennoch ein Rückgang auftreten, ist die Hoffnung groß, dass man schnell die gewohnte Fitness zurückgewinnt. Die Ruhepausen erlauben auch, andere sportliche Aktivitäten wie Radfahren und Schwimmen zu integrieren.
Das Schwimmen ist in den letzten Monaten etwas in Vergessenheit geraten, nachdem ich im vergangenen Winter regelmäßig ins Schwimmbad gegangen bin. Der Respekt vor Triathleten wächst unweigerlich, die es schaffen, gleich drei Disziplinen plus Krafttraining in ihren Alltag zu integrieren. Schwimmen stärkt zudem andere Muskelgruppen, und ich merke rasch, dass Arme und Schultern beim Laufen in letzter Zeit kaum gefordert waren.
Trotz meiner Pause bleibt also das Training aktiv. Die Frage ist nur, wie es mit den Lebkuchen zuhause weitergeht. Ich versichere mir, dass die Packung irgendwann leer sein wird, und vielleicht werde ich mich durchsetzen und vor dem 1. Dezember keinen Nachschub kaufen. Schließlich gehört zu Weihnachten einfach die Zeit der Lebkuchen dazu.
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Über den Autor
Leandra K. berichtet mit großer Leidenschaft über den Sport in Berlin - von Hertha BSC und Union bis hin zu den vielen spannenden Geschichten aus der Berliner Amateur- und Vereinsszene. Ihr liegt besonders am Herzen, Menschen und ihre Geschichten hinter den Ergebnissen zu zeigen.
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