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Zukunft der North Side Gallery in Berlin am Scheideweg

Markus S. · 25. August 2026, 17:13 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 2 Aufrufe
Zukunft der North Side Gallery in Berlin am Scheideweg

Die North Side Gallery, die größte legale Open-Air-Sprühfläche in Berlin, befindet sich hinter der beeindruckendsten Beach-Volleyball-Anlage Europas, dem „Beach Mitte“, in der Parklandschaft am Nordbahnhof. Ein Antrag der CDU-Mitte, geleitet von Fraktionsvorsitzender Daniela Fritz, fordert nun die Schließung dieser kulturellen Einrichtung. Fritz argumentiert, dass Anwohner sich über Müll, unangenehme Gerüche und das Besprühen von Bäumen beschwert hätten, was dem Naturschutz schaden könne.

Vertreter aus der Kulturszene, darunter die Graffiti Lobby Berlin, betonen hingegen, dass diese Fläche für urbane Kunst unverzichtbar sei. Am 17. September wird es im Bezirksparlament Mitte eine Abstimmung darüber geben, ob die North Side Gallery geschlossen wird. Obwohl sie nicht so bekannt ist wie die East Side Gallery, hat sie dennoch einen bedeutenden Platz in der Berliner Graffitikultur.

Einwohner berichten von unangenehmen Gerüchen durch giftige Farben im Park sowie von zurückgelassenen Spraydosen. Der Graffiti-Künstler Hannes, bekannt als „Age Age“, sieht die Ursache eher im Abbau der Mülleimer rund um die Galerie. „Es gab ursprünglich vier Mülleimer, die schnell voll waren. Zuerst wurden Verhaltensregeln aufgestellt und anschließend die Mülleimer entfernt“, erklärt er. Laut Hannes entsorgen 90 Prozent der Sprayer ihren Müll selbst. Die Dosen aus Weißblech könnten von Entsorgungsunternehmen weiterverwertet werden, trotzdem seien die Müllbedingungen in Berlin unzureichend.

Auch im Mauerpark wurde bereits über die Problematik diskutiert; dort entschied das Bezirksamt Pankow 2022 gegen ein Sprühverbot und stellte stattdessen große Metallcontainer zur Entsorgung der Dosen auf. Kult-Rapper MC Fitti, Teil der Graffiti-Lobby, kritisiert die geringe Anzahl legaler Wände in Berlin. „Es ist sehr traurig, dass wir so wenige legale Flächen haben. Wenn die Galerie nicht mehr existiert, wird es wahrscheinlich zu vermehrten illegalen Aktivitäten kommen“, sagt er. Graffiti seien ein Teil der kulturellen Identität der Stadt, meinte auch der frühere Kultursenator Klaus Lederer.

Der Antrag zur Schließung der North Side Gallery stützt sich auf ein Umweltgutachten des Professors Matthias Rillig über Mikroplastik im Erdreich. Diese Studie ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Rillig stellt klar, dass es keine direkte Verbindung zwischen der Entsorgung von Spraydosen und der von ihm untersuchten Mikroschadstoffen gibt. Er führt an, dass die Partikel durch den Sprayprozess oder das Abblättern der Farbe in den Boden gelangen können.

Die Bezirksverwaltung rechnet auch mit hohen Entsorgungskosten für die heruntergefallenen Farbschichten und geht von etwa 3000 Euro pro Jahr aus. Ähnliche Bedenken hat auch der Bezirk Mitte. Laut den Behörden seien keine Mülleimer entfernt worden, sondern lediglich ein Behälter versetzt worden. Eine geeignete Entsorgung von Spraydosen auf öffentlichen Flächen hat sich als problematisch erwiesen, da diese als Sondermüll betrachtet werden und die meisten Entsorgungsfirmen keine öffentlichen Behälter abholen können.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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