Bierpinsel und Geisterhaus: Berlins Reaktionsmuster bei Gefahren
Ein Teil der Fassade stürzt aus 30 Metern Höhe auf die belebte Schloßstraße, wobei glücklicherweise niemand verletzt wird. Der Vorfall am Bierpinsel wirft eine grundlegende Frage auf: Muss in Berlin immer erst eine Gefahr eintreten, bevor Maßnahmen ergriffen werden?
Der Bierpinsel steht schon seit Jahren leer, und sein Sanierungsbedarf ist bekannt. Die langen Auseinandersetzungen bezüglich Denkmalschutz, Erbbaurecht sowie den erforderlichen Brandschutz- und Nutzungskonzepten haben eine Rettung des Gebäudes bisher verhindert. Die Situation hat sich über Jahre nicht verändert. Erst nachdem kürzlich eine Fassadenelement auf die Schloßstraße fällt, kommt Bewegung in die Sache. Plötzlich ist die Bauaufsicht gefordert, Sicherungsmaßnahmen werden angeordnet, und der Bereich um den Bierpinsel wird weiträumig gesperrt. Es ist ein klassisches Beispiel für das Prinzip von Reaktion statt Prävention.
Ein weiteres Beispiel für dieses Muster ist das Geisterhaus am Hindenburgdamm, das ebenfalls seit Jahrzehnten leer steht und sichtbar zerfällt. Immer wieder wird es zum politischen Thema, ohne dass sich am Zustand des Gebäudes etwas ändert. Schon hier sind Teile der Fassade auf den Hindenburgdamm gefallen, wodurch ein Schutztunnel für Fußgänger errichtet werden musste.
Die Parallelen zwischen dem Bierpinsel und dem Geisterhaus sind eindeutig. In beiden Fällen wird über einen langen Zeitraum hinweg nichts unternommen, bis der bauliche Verfall allmählich zur akuten Bedrohung wird und plötzlich ein Umdenken stattfinden muss. Die Behörden berufen sich oft auf Privateigentum, was ihre Handlungsfähigkeit einschränkt.
Zusätzlich existiert noch ein drittes Beispiel für den Verfall von Immobilien: der Steglitzer Kreisel. Wenn es stürmt, fällt mein Blick oft auf den Kran in 120 Metern Höhe, der bisher nur mit dem Wind dreht.
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Über den Autor
Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.
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